Geschichte der Gründung und Entwicklung der FDP – FDP Heppenheim
9. Juni 2017

Geschichte der Gründung und Entwicklung der FDP

Aus der Gründungsphase des Stadt- und Kreisverbandes der FDP (damals Liberaldemokratische Partei), liegen leider kaum Originaldokumente vor. Die damals Handelnden, hatten mit für uns heute unvorstellbaren Sorgen, Mängeln und Nöten zu kämpfen. Eine saubere Archivführung war zweitrangig. Es besteht allerdings aus dem Jahr 1995 eine von Henri Roos niedergeschriebene Abhandlung, die sowohl die Gründung des Stadt- und Kreisverbandes, als auch die Gründung der Bundespartei beschreibt. Nach der „Heppenheimer Tagung“ ist Heppenheim damit gleich zweimal maßgeblich in der Geschichte des Liberalismus und der Demokratie in Deutschland vertreten.

Geschichte der Gründung und Entwicklung der FDP

Henri Roos 1995

Die Geschichte der hiesigen LDP, seit Dezember 1948 FDP, steht in engstem Zusammenhang mit meiner Person. Mit mir in Verbindung stehende persönliche, politische Erlebnisse und Episoden können daher hier nicht unerwähnt bleiben; dies beginnt bereits mit den Vorgängen, die mich zur LDP und schließlich zur zur Gründung eines Kreisverbandes und von Ortsverbänden führten.

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde ich (nachdem ich 1937 bereits rd. ein Jahr in Gestapohaft gewesen war) im August erneut verhaftet. Zunächst in das Wehrmachtsgefängnis Torgau verbracht, wurde ich dann bis zur Urteilsvollstreckung in der Festung Germersheim inhaftiert. Dort wurde ich schließlich nach Überprüfung meiner dort vorliegenden Unterlagen von der französischen Truppe als politischer Häftling sofort entlassen. Derart kam ich bereits Anfang Juli 1945 nach Hause. Hier wurde der elterliche Großhandelsbetrieb für Landesprodukte von der hiesigen amerikanischen Militärregierung unter Major Legatt; nach Zustimmung des zuständigen CIC-Captains Kissinger (später US-Außenminister) zum Gruppenverteiler für Kartoffeln für den gesamten Kreis Bergstraße bestellt (d.h.Beschaffung und Verteilung von Speise- und Pflanzkartoffeln für die Bevölkerung). Entsprechende Fahrzeuge, LKW und PKW, sowie ausreichend Kraftstoff wurden zur Verfügung gestellt, zumal die Haupt-Kartoffelanbaugebiete Bebra-Fulda, Bad Mergentheim, Mittel- und Unterfranken, weit weg von hier lagen. Mein Vater hatte mir die Beschaffung der Ware übertragen, und so fuhr ich in all diese Gebiete, um vor allem mit Hilfe von Tauschgütern, die uns von den hiesigen Behörden zur Verfügung gestellt worden waren (z.B. Salz von der Saline Bad Wimpfen, Dachziegel und Backsteine diverser Tonwerke, Wein usw.), die Ware zu beschaffen. So kam ich eines Tages auch zu einem früheren Lieferanten unseres Betriebes, der Raiffeisengenossenschaft in Rotenburg an der Fulda, die unter Leitung eines Herrn Faßbender stand. Da ich dann öfters dorthin kam und wir beide uns näher kennen lernten und ähnliche politische Ansichten feststellte:1, brachte mich Herr Faßbender Ende September 1945 mit zwei Rechtsanwälten in Hersfeld in Verbindung, mit August Martin Euler und Dr. Max Becker. Ich erfuhr dann von deren Absicht, in Frankfurt eine liberale Landespartei zu gründen, für die bereits reichlich Interessenten vorhanden seien, darunter auch in Darmstadt ein Dr. Hammer und andere. Nachdem ich mit den Zielen dieser Partei sehr sympathisierte, suchte ich natürlich umgehend diesen Personenkreis in Darmstadt auf, lernte den Arzt Dr. Hammer näher kennen, des weiteren das Ehepaar Machwirth, Herrn Pfeng und andere. Da mittlerweile auch die Genehmigung der zuständigen amerikanischen Militärstellen für die Gründung der Partei vorlag, war ich zusammen mit den Darmstädtern bereits nominell Mitglied der noch zu gründenden LDP geworden. Die Darmstädter hatten zu diesem Zeitpunkt auch schon Kontakt mit einigen Herren in Bensheim: Geiger, Rieger, Krenkel und andere, insgesamt ca. 10 Personen. Mit diesen setzte ich mich dann gleichfalls sofort in Verbindung, und nach wenigen gemeinsamen Gesprächen kam es unter der Regie von Dr. Hammer am 21. oder 22. Februar 1946 zur Gründung der Liberal-Demokratischen Partei Kreis Bergstraße, gleichzeitig zur Gründung des Ortsverbandes Bensheim. Wenige Tage später, am 24. Februar, gründete ich mit einigen Freunden den Ortsverband Heppenheim. Zu erwähnen ist noch, daß meine Frau den Antrag zur Gründung des Kreisverbandes bei der amerikanischen Militärregierung als Verantwortliche unterzeichnete. Zuvor war, soweit ich mich entsinnen kann, Mitte Januar 1946 der Landesverband der LDP in Frankfurt offiziell gegründet worden. Auch ich hatte eine Einladung hierzu bekommen, konnte jedoch wegen Erkrankung nicht teilnehmen.

Soweit die Entstehungsgeschichte der LDP im Kreis Bergstraße und meine Mitwirkung an den Vorgängen, die hierzu führten. Meine Frau und ich waren seinerzeit mit 28 Jahren die jüngsten Mitglieder in der LDP.

27.1.1946
Erste Kommunalwahlen in Hessen. Obwohl es im Kreis keine LDP-Liste gab, wurden auch hier LDP-Stimmen abgegeben, in ganz Hessen 18.565 (in Baden für die DVP nur 12.356).

12.2.1946
Erste Sitzung des Gemeindeparlaments in Heppenheim unter Vorsitz des Kommandanten der Militärregierung, Major Legatt. Der bisherige kommissarische Bürgermeister Fleck (SPD) wird durch Bgm. Hagen (CDU) abgelöst.

21.2.1946
Gründung des LOP-Kreisverbandes Bergstraße mit Walter Geiger als Kreisvorsitzendem.

März / April 1946
Vorbereitung der für den 28.4.46 terminierten Kreistagswahl: Im Wahlkreis Bergstraße/Rheinebene mit Bensheim größere Aussichten auf Erfolg für die LDP, daher im Wahlkeis Bergstraße/Odenwald mit Heppenheim kein Wahlkampf. LDP-Liste Platz 1 Geiger, Platz 2 Roos. Erzielte Stimmen: 587, davon allein in Bensheim 311.

Es kam zu Querelen innerhalb des OV Bensheim, so daß Geiger sowohl als Ortsvorsitzender wie auch als Kreisvorsitzender zurücktrat. Neuer Kreisvorsitzender Heinrich Riegert (Benennung, da keine geheime Wahl).

28.4.1946
Wahlergebnis: CDU 26 Sitze im Kreistag, SPD 17; KPD/DFU/DKP nur 11,8%.

22.6.1946
Seitheriger komm. Landrat W. Dengler wird durch den von der CDU gewählten bisherigen Stadtkämmerer von Darmstadt, Dr. Steinmetz, ersetzt. SPD gibt weiße Stimmzettel ab.

30.6.1946
Wahl zur Verfassunggebenden Großhessischen Landesversammlung. LDP-Liste wiederum nur im Wahlkreis Bergstraße/Rheinebene mit 614 Stimmen für LDP.

Juli 1946
H. Riegert, Bensheim, tritt als Kreisvorsitzender zurück.

Ende Juli / Anfang August 1946
Unter Vorsitz von Dr. Hammer, Darmstadt, unter bis dahin 17 eingeschriebenen Mitgliedern erste geheime Wahl des Kreisvorsitzenden. Vorschlag: Henri Roos, Heppenheim. 16 Ja-Stimmen, 1 Enthaltung.

August bis Nov. 1946
Organisationsarbeit im Kreisverband: Gründung von Ortsverbänden und Stützounkten; Wahlveranstaltungen im damaligen Wahlkreis III Bergstraße/Erbach für die Landtagswahlen am 1.12.1946 mit Volksentscheid.

1.12.1946
Ergebnis der Landtaqswahlen im WK III: 4.761 Stimmen für LDP, davon Bensheim 746, Heppenheim 389, Lampertheim 288, Zwingenberg 119. LDP im Kr. Bergstraße 5,0 %, Kr. Erbach 6 ,7 %.
Gewählte Abgeordnete der LDP:
1. A.M . Euler (Landesvorsitzender und Landrat von Hersfeld)
2. K.T. Bleek (OB in Marburg)
3 . F. Catta, Kassel
4. 0. Kredel, Bad Homburg
5. E. Landgrebe, Frankfurt/M.
6. Dr . M. Becker, Hersfeld
7 . Dr. Hammer,Darmstadt
8. H. Glücklich, Wiesbaden (diesem verdankt Grasellenbach seine Entwicklung)
Zum Vergleich : Kr. Bergstraße CDU 47,7 % (über Landesliste Dr . Steinmetz gewählt), SPD 33,8 % (über Landesliste W. Dengler gewählt).

1947
Weiter Aufbau im LDP-Kreisverband

Jan. bis April 1948
Wahlvorbereitungen zu den Kommunalwahlen am 25.4.48. Überall Wahlversammlungen mit Hilfe der eigenen Mitglieder in kleineren Orten. In den größeren Orten sprachen insbesondere unser Landesvorsitzender Euler, OB Bleek, Dr. Becker und in je einer Wahlversammlung Prof. Heuss, DVP-Landesvorsitzender, und sein Generalsekretär Meyer .

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich über meinen Duzfreund Euler zum ersten Mal von dem geplanten Zusammenschluß aller liberalen Parteien der vier Besatzungszonen. Euler, Dr. Becker und insbesondere auch Dr. Hammer waren sehr oft privat bei mir zu Hause, so daß wir alle enge Freunde wurden .

März 1948
Zu den für den 25.4. anberaumten ersten freien Kommunalwahlen in Hessen hatte sich in Heopenheim eine freie Wählergemeinschaft unter der Führunq von Otto Holzamer gebildet. Mitglieder waren einige Handwerker und insbesondere Landwirte.

Notgedrungen muß ich nun erwähnen, daß ich hier durch unseren seit 1920 bestehenden Import/Export-Großhandelsbetrieb wie als Kartoffel-Gruppenverteiler bekannt war wie ein „bunter Hund“, dies nicht zuletzt auch durch meine politische Tätigkeit . So führte ich persönlich damals Verhandlungen mit den maßgeblichen Wortführern dieser Vereinigung, insbesondere mit Holzamer, deren designiertem Vorsitzenden. Mein Ziel war die Auflösung der Vereinigung und die Überführung ihrer Mitglieder in die LDP. Dies gelang mir auch schließlich, vermutlich nicht zuletzt durch die Zusage an Holzamer, daß er im Falle des Erfolges von uns als Bürgermeisterkandidat präsentiert werden würde. Die Sache gelang, und der OV Heppenheim gewann auf einen Schlag ca . 25 neue Mitglieder.

25.4.1948
Ergebnis der Kommunalwahlen: Heppenheim 4 Stadtverordnete sowie durch geschicktes Taktieren mit der SPD in der Frage des im Kreis zu wählenden Landrats deren Zusage zur Wahl von Holzamer als Bürgermeister von Heppenheim.

Im Kreis 11,4 % Stimmen, damit 6 Abgeordnete und ein Kreisausschußmitglied (durch Zusage der SPD).

Mai 1948
Auf Grund des einstimmigen Beschlusses unserer Kreistagsfraktion wie des Kreisvorstandes wurde ich als Kandidat für den Kreisausschuß vorgeschlagen und mit Hilfe der SPD gegen die Vertreter der CDU auch gewählt. Ich blieb Mitglied bis zu den Neuwahlen im Mai 1952. Mit Rücksicht auf mein Geschäft (mein Vater war inzwischen plötzlich verstorben) kandidierte ich nicht mehr .
Die Kreistagswahl 1948 entschied nicht nur über die Anzahl der Mandate, vielmehr auch über die sehr wichtige Neuwahl eines Landrats . Die CDU hatte mit dem bis dahin amtierenden Landrat Dr. Steinmetz die bis 25.4. innegehabte absolute Mehrheit von 26 Stimmen verloren. Sie gewann nur noch 23 Sitze, die SPD kam von 17 auf 18 und die LDP auf 6 Sitze. Die CDU nominierte wieder Dr. Steinmetz und die SPD den schon bis 28.4.46 kommissarisch gewesenen Landrat W. Dengler. Die Verhandlungsführer der CDU , an deren Spitze Dr. Steinmetz, boten uns, der LDP, alles, um unsere Stimmen für seine Wiederwahl zu gewinnen. Sie boten uns die Ämter der Bürgermeister in Heppenheim und Lampertheim sowie in 5-6 weiteren Gemeinden an. Hierdurch kam es zu sehr geteilten Meinungen in unserer Kreistagsfraktion und im Kreisvorstand. Auf Grund eines persönlichen Zusammenstoßes mit Dr. Steinmetz in einer unserer Wahlversammlungen in Heppenheim (ich komme noch darauf zurück) hatte ich die Verhandlungsführung mit· der CDU von Anfang an abgelehnt und enthielt mich auch im Vorstand jeglichen Kommentars, wies lediglich hin auf die bis dahin mit der CDU gemachten sehr üblen Erfahrungen, was deren Zusagen von jeher anbelangte. Ich selbst führte indessen die Verhandlungen mit dem SPD-Vorstand, an dessen Spitze Herr Fleck , komm . Bürgermeister von Heppenheim bis 28.4.46. Die SPD sagte mir die Unterstützung zur Wahl der Bürgermeister in Heppenheim und Lampertheim zu , ebenso bei meiner Kandidatur zum Kreisausschuss. Der LDP-Landesvorstand und weitere prominente Leute versuchten alles, uns dazu zu bewegen , die Wahl von Dr. Steinmetz zu unterstützen, dies wegen der großen Koalition in Wiesbaden. Auf Grund unserer und meiner Erfahrungen mit der CDU war ich strikt dagegen. Bei der Wahl des Landrats gelang es mir dann noch im letzten Moment, in unserer Fraktion (das Stimmenverhältnis stand bis dahin 3 zu 3) noch eine Stimme für die Wahl von Dengler zu gewinnen, der dann auch mit einer Stimme Mehrheit gewählt wurde. Die KPD hatte sich mit ihren 4 Stimmen enthalten. Von da ab hatte ich innerhalb der LDP den Ruf, „linksliberaler“ zu sein!
Hier nun die Begründung meiner persönlichen Haltung zur CDU, insbesondere zu Dr. Steinmetz . Zu Beginn meiner politischen Aktivität hatte ich immer wieder versucht, mit der CDU zusammenzukommen, zumal deren Wortführer, die Brüder Otto und Hans Wagner, Nachbarskinder und wir früher oft zusammen waren. Von Anfang an waren wir als LDP von ihnen links liegen gelassen worden und irqendwelche Zusagen wurden einfach „vergessen“, dies trotz aller Bemühungen meinerseits, zumal ich nie und bis heute nicht linksorientiert war. Hinzu kam ein Vorfall anläßlich einer Wahlversammlunq in Heppenheim. Steinmetz hatte mich persönlich wie auch meine Familie in einer derart unflätigen Weise verunglimpft, dass ich ihn ursprünglich verklagen wollte. Mein Onkel , Oberregierungsrat Dr. Karl Raas, der anwesend war, forderte daraufhin Steinmetz über einen Sekundanten zum Duell auf (mein Onkel gehörte einer schlagenden Verbindung an). Der Akademiker Dr. Steinmetz kniff jedoch mit der Begründung, dass er praktizierender Katholik sei . Diese Schäbigkeit und Feigheit veranlaßte uns dann auch, von einer Klage abzusehen. Mit Hilfe Brentanos ist Steinmetz dann Staatssekretär geworden, also die Treppe heraufgefallen .

Sommer – Herbst 1948
Einladung und Programm zum Gründungsparteitag der FDP 1948 in Heppenheim als PDFNun zu dem bereits angeschnittenen Punkt des Zusammenschlusses aller liberalen Parteien der vier Besatzungszonen .

Nachdem ich hiervon durch den Landesvorsitzenden Euler wie Dr. Becker und Dr. Hammer bei einem privaten Treffen bei mir erfahren hatte, verwies ich die Herren sofort auf die historische Bedeutung Heppenheims im Zusammenhang mit den Tagungen einer Art „Vorparlament“ zur Paulskirche mit liberalen Persönlichkeiten im Jahr 1847 . Die Herren waren sofort begeistert und wollten dies Prof. Heuss mitteilen, der mit der Planung des Zusammenschlusses betraut war. Anlässlich einer Wahlversammlung am 14. 4.48 nutzte ich natürlich die Gelegenheit, auch hierüber mit ihm zu sprechen. Auch er war von diesem Vorschlag sehr eingenommen und darüber hinaus davon, daß ich die volle Garantie übernahm für die gesamte Organisation dieses Treffens (Unterkunft der Delegierten , volle und preiswerte Verpflegung ohne Lebensmittelmarken, Beheizung der Tagungslokale usw.). Prof . Heuss zog dann noch seinen DVP-Generalsekretär E. Mayer hinzu, der am gleichen Tage in Bensheim gesprochen hatte. Beide Herren und auch Euler glaubten mir versichern zu können, daß mein Vorschlag unter diesen Umständen wohl von den zuständigen Gremien angenommen werden würde , dass mit diesen aber noch verhandelt werden müsse .

Bereits Ende Sommer 1948 erhielt ich die definitive Zusage für Heppenheim als Tagungsort unter der Voraussetzung, daß die von mir gemachten Zusagen auch tatsächlich garantiert würden . Diese Dinge boten für mich keine Probleme, zumal ich schon 1947 in Heppenheim eine ebenso große mehrtägige Zusammenkunft von rd. 80 Delegierten der Kartoffelwirtschaftsverbände der drei Westzonen durchgezogen hatte. Auch dies hatte ich zuvor den Herren der LDP mitgeteilt. So kurz nach der Währungsreform und bei den knappen Lebensmittelzuteilungen wäre normalerweise eine solche Tagung ein Problem gewesen. Durch meine Verbindungen zur Landwirtschaft, meine Möglichkeiten der Beschaffung vieler Dinge wie Nahrungsmittel, Getränke usw. und nicht zuletzt Heizmaterial (der Termin der Tagung stand schon ziemlich fest) größtenteils auf dem Tauschwege bedeutete dies für mich keine Schwierigkeiten, da mir neben meinen Leuten vom OV Heppen heim auch mein Vater zur Seite stand.
So begannen wir sofort mit den Vorbereitungen. Der Saalbau Kärchner hatte mit der Küche die Erfahrungen der Tagung vom Jahr zuvor . Es galt dann noch die Zimmer zu reservieren, ebenso das Tagungslokal (der Halbe Mond war infolge Ausfall der Heizungsanlage nicht beheizbar) . Daher wurde der Saalbau Kärchner (heute Saalbau Kino) außer für die Verpflegung an beiden Tagen auch als Tagungslokal für die Vorgespräche am 11.12.48 genutzt. Die Unterkunft der Prominenz war im vis-a-vis liegenden Hessischen Hof; für die Abstimmungen am nächsten Tag, dem 12 .12., war der Winzerkeller bestimmt, darüber hinaus für den geplanten Bunten Abend am 11.12. und für die Abschlußkundgebung mit unserer LDP-Prominenz am Nachmittag des 12.12.48 die Stadthalle (Heute Martin-Buber-Schule). Was den Bunten Abend anbelangt, so hatte ich hierzu neben anderen Mitwirkenden den damals noch kaum bekannten Peter Frankenfeld mit seiner Frau Loni als Conferencier und Unterhalter für 75.00 DM plus Unterkunft und Verpflegung (!) engagiert.

Die gesamte Organisation wurde schließlich insofern etwas einfacher, als die Delegierten der russischen Besatzungszone dann absagten.

Einladung Liselotte Funcke zur Gründungsveranstaltung der FDP 1948 in Heppenheim

Einladung Liselotte Funcke zur Gründungsveranstaltung der FDP in Heppenheim

Die Organisation der Veranstaltung kostete einige persönliche Anstrengungen, abgesehen von den finanziellen Mitteln, die ich zuschoß . Deswegen möchte ich hier, entgegen anderen Behauptungen z.T. auch in unserer Parteipresse, erneut und eindeutig zur Kenntnis bringen, dass die gesamte Organisation dieser Veranstaltung, ob Nahrungsmittel, Unterkünfte, Heizmaterial, Getränke usw. (es gab genügend Wein für jeden, auch für Prof. Heuss seine „Viertele“ im Hessischen Hof ) ohne irgendeine fremde Mithilfe , auch nicht finanzieller Art, vom OV Heppenheim unter meiner Leitung vollbracht wurde und nicht vom sog. „General“ Mayer (damaliger Generalsekretär der DVP Württemberg-Baden). Dieser kam nur ab und zu hierher, um sich davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ginge.

11./12.12.1948
Endlich war es dann so weit, und die Tagung begann. Alles verlief praktisch reibungslos und ohne Schwierigkeiten. Neben meiner ständigen Überwachung von allem nahm ich natürlich auch an verschiedenen internen Verhandlungen teil, insbesondere an der in der Nacht vom 11 . auf 12 . 12. im Hessischen Hof, in der praktisch alle Beschlüsse gefasst wurden, die dann am Vormittag des 12.12. zur Abstimmung gelangten. Derart wurde ich praktisch Mitbegründer der dann FDP genannten Bundespartei. Ich hatte bei den Diskussionen in dieser Nacht die große Freude, daß zwei Anregungen von mir in die Beschlüsse aufgenommen wurden. Prof. Dr. Heuss, der zum Bundesvorsitzenden gewählt worden war, dankte mir persönlich für den guten Ablauf der Tagung in einem privaten Schreiben vom 15.12.48.

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